|
Archiv Stiftung Werkvermächtnisse
„Der bestirnte Himmel
über mir …“ ist der Mikrokosmos.
Ihr versucht, Ihn unter Euere Mikroskope zu legen: ... und ‚Gott‘ lächelt sanft über solche Einfalt! - Alles ist Geist.
[*]Zweig, Stefan (1881-1942), österreichischer Schriftsteller,
in: Begegnungen mit Büchern, Fischer Taschenbuch Verlag, 1983, S. 90, Elemente
der Menschengröße, (über Rudolf Kaßners Werk ‚Von den Elementen der
menschlichen Größe‘, Leipzig, Insel-Verlag): „Bei den großen Meistern der Lyrik
ist vor allem ein Phänomen so wunderbar typisch für die ursprüngliche Gewalt
ihrer Anschauung, ein seltsamer Vorgang, der noch unendlich bedeutsamer ist als
ihre neubildnerische Kraft, nämlich die Fähigkeit, ein gänzlich verbrauchtes
und durch allzu häufige, schon automatisch gewordene Benutzung unsinnlich und
falsch gewordenes Attribut, ein kaltes gewöhnliches Wort also, plötzlich durch
eine unerwartete und vor allem richtige Anwendung wieder sinnlich, neu packend
zu gestalten, es gleichsam von dem Mißverständnis seiner grob prosaischen
Verfälschung wieder in die poetisch reine, kristallklare Form der dichterischen
Sinnlichkeit zu erlösen. Ein Phänomen, das jedem Liebhaber der Lyrik hundert
jähe Entzückungen geschenkt hat und das in unseren Tagen bei Stefan George und
Rilke am eindringlichsten und lautesten zu finden ist. Unversucht hingegen ist
bis auf wenige Ausnahmen in unserer Zeit das Bestreben, nicht nur das Wort,
sondern auch die Begriffe von der Abgegriffenheit journalistischer und
rhetorischer Verwendung zu befreien, sie wieder zurückzuführen in die rein
lautere, hier aber gänzlich unsinnliche Atmosphäre, ihre elementare
Isoliertheit wieder herzustellen. Und unter den vielen Gesichtspunkten, von
denen die Bedeutung Rudolf Kaßners für unsere Zeit aus betrachtet werden
könnte, scheint mir diese für sein Werk eine der bedeutendsten.“
|