|
Archiv Stiftung Werkvermächtnisse
„Der bestirnte Himmel
über mir …“ ist der Mikrokosmos.
Ihr versucht, Ihn unter Euere Mikroskope zu legen: ... und ‚Gott‘ lächelt sanft über solche Einfalt! - Alles ist Geist.
[*]Nietzsche, Friedrich Wilhelm (1844-1900),
klassischer deutscher Philologe, Philosoph, Dichter, Komponist, in: Unzeitgemäße Betrachtungen,
IV, Richard Wagner in Bayreuth: „Überall
ist hier die Sprache erkrankt, und auf der ganzen menschlichen Entwickelung
lastet der Druck dieser ungeheuerlichen Krankheit. Indem die Sprache
fortwährend auf die letzten Sprossen des ihr Erreichbaren steigen mußte, um
[...] das dem Gefühl Entgegengesetzte, das Reich des Gedankens zu erfassen, ist
ihre Kraft durch dieses übermäßige Sich-Ausrecken in dem kurzen Zeitraume der
neueren Zivilisation erschöpft worden: so daß sie nun gerade Das nicht mehr zu
leisten vermag, wessentwegen sie allein da ist: um über die einfachsten
Lebensnöte die Leidenden miteinander zu verständigen./ Der Mensch kann sich in
seiner Not vermöge der Sprache nicht mehr zu erkennen geben, also sich nicht
wahrhaft mitteilen: Bei diesem dunkel gefühlten Zustande ist die Sprache
überall eine Gewalt für sich geworden, welche nun wie mit Gespensterarmen die
Menschen faßt und schiebt, wohin sie eigentlich nicht wollen; sobald sie mit
einander sich zu verständigen und zu einem Werke zu vereinigen suchen, erfaßt
sie der Wahnsinn der allgemeinen Begriffe, ja der reinen Wortklänge, und in
Folge dieser Unfähigkeit, sich mitzuteilen, tragen dann wieder die Schöpfungen
ihres Gemeinsinns das Zeichen des Sich-nicht-Verstehens, insofern sie nicht den
wirklichen Nöten entsprechen, sondern eben nur der Hohlheit jener
gewaltherrischen Worte und Begriffe: so nimmt die Menschheit zu allen ihren
Leiden auch noch das Leiden der Konvention hinzu, das heißt des Übereinkommens
in Worten und Handlungen ohne ein Übereinkommen des Gefühls.“
|